Radwechsel am Auto: Anleitung und Tipps
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Ein Radwechsel am Auto lässt sich einfacher selbst durchführen, als viele vermuten. Dennoch geben jedes Jahr zahlreiche Autobesitzerinnen und -besitzer ihren Wagen zum Radwechsel in die Garage – sei es zum Saisonwechsel, bei Radpannen oder wenn eine Erneuerung der alten Autoreifen ansteht. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt dir, wie du die Räder deines Wagens selbst wechseln kannst. Ausserdem erfährst du, wann du die Reifen wechseln solltest, welche Vorteile Saisonreifen im Vergleich zu Ganzjahresreifen haben und weitere hilfreiche Tipps rund ums Thema Reifen wechseln.
Radwechsel: Schritt-für-Schrittanleitung
Entgegen gängigen Annahmen kannst du einen Reifenwechsel einfach und ohne sehr hohen Zeitaufwand selbst durchführen. Für deinen ersten Wechsel brauchst du vielleicht noch etwas mehr Zeit. Doch mit etwas Übung und einer guten Anleitung kannst du alle vier Räder in etwa ein bis zwei Stunden wechseln. So sparst du dir neben der Wartezeit auf einen Wechseltermin auch die Kosten für die Autogarage. Beachte: Hier findest du die Anleitung für einen Komplettradwechsel, nicht für den Austausch der Pneu. Unsere praktische Anleitung zeigt dir, wie du die Autoräder selbst wechseln kannst:
Arbeitsplatz vorbereiten
Lege dir das benötigte Reifenwechsel-Werkzeug und sonstige Hilfsmittel bereit. Dazu gehören:
- Wagenheber
- Radkreuz oder Drehmomentschlüssel
- Schraubendreher oder Felgenschlüssel
- Reinigungsutensilien (Drahtbürste, Lappen, Rostlöser etc.)
- Auto-Handbuch (bzw. Bedienungsanleitung)
- optional Arbeitshandschuhe und eine Knieunterlage
- optional ein Unterstellbock
Achte darauf, dass du ausreichend Platz mit stabilem und ebenem Untergrund für den Radwechsel hast. Am besten ist asphaltierter oder betonierter Boden. Andere Untergrundarten wie Rasen, Split oder Sand bieten dir und deinem Auto nicht den nötigen Halt für einen sicheren Radwechsel.
Anleitung anschauen
Überprüfe im Auto-Handbuch oder Bordbuch, wo sich die Aufnahmepunkte für den Wagenheber an deinem Fahrzeug befinden. Steht das Handbuch nicht zur Verfügung, findest du die entsprechenden Markierungen für den Wagenheber in der Regel direkt unter dem Schweller auf den Wagenseiten.
Um deine Hände beim Radwechsel zu schützen, kannst du für die nächsten Schritte gutsitzende Arbeitshandschuhe anziehen. Diese unterstützen dich bei den anstehenden Arbeiten und sorgen für einen besseren Griff.
Schrauben lösen
Kontrolliere zuerst, dass die Handbremse deines Wagens angezogen ist und sich dein Auto im ersten Gang (manuelle Schaltung) bzw. im Parkmodus (Stellung „P“ bei Automatikschaltung) befindet. So kann dein Auto nicht wegrollen und die Achsen sind arretiert.
Nun kannst du den Wagenheber unter dem Fahrzeug positionieren und leicht ansetzen (Wagen noch nicht anheben). Entferne die Radzierblenden und löse alle Radmuttern oder -schrauben am Reifen mit einem Radhebel oder Radkreuz um eine 1/8-Umdrehung. Achte darauf, die Radmuttern bzw. -schrauben lediglich zu lockern und sie zunächst nicht ganz zu entfernen.
Tipp: Sollten die Radmuttern festsitzen, kannst du sie mit einem Rostlöser lösen. Wenn du einen Drehmomentschlüssel zum Lösen der Schrauben verwendest, kann du bereits das richtige Drehmoment einstellen, das in der Bedienungsanleitung deines Autos angegeben ist. So verhinderst du, das Radmaterial durch zu viel Kraft zu beschädigen. Das richtige Drehmoment ist besonders beim späteren Anziehen der Schrauben am neu montierten Reifen wichtig.
Räder beschriften
Vermerke auf jedem Reifen unmittelbar nach der Demontage die Position (z. B. mit Kreide), auf der er montiert war. So weisst du beim nächsten Reifenwechsel, an welcher Stelle sich das Rad vorher befunden hat. Als Markierstelle eignen sich vor allem die Lauffläche oder die Hinterseite des Rads. Hier findest du gängige Abkürzungen für die Beschriftung:
- VR = vorne rechts
- VL = vorne links
- HR = hinten rechts
- HL = hinten links
Schmutz entfernen
Jetzt geht es an die Reinigung: Reibe mit der Bremssattel-Bürste Korrosionsspuren und Schmutz von der Auflagefläche der Nabe gründlich ab. Diese sollte möglichst gerade sein, damit das Rad fest und sauber aufliegt und keine Unwucht entsteht. Erkennst du aufgeplatzte Stellen oder Vertiefungen, solltest du diese besser in einer Filiale prüfen lassen.
Schrauben anziehen
Jetzt kannst du die Radschrauben mit dem Drehmomentschlüssel übers Kreuz komplett fest anziehen. Achte auch hier, wie bereits beim Lösen der Schrauben darauf, das richtige Drehmoment zu verwenden. So kannst du verhindern, das Rad beim Fahren zu verlieren oder Radmaterial zu beschädigen. Hast du kein Radhebel oder Radkreuz parat, kannst du die Radschrauben auch mit einem Druckluft-Schlagschrauber anziehen.
Reifendruck prüfen
Als letzten Schritt beim Autopneu wechseln empfehlen wir dir, abschliessend den Luftdruck zu überprüfen. In einer Tabelle (meistens innen am Tankdeckel oder innen an der Fahrertür) kannst du den richtigen Reifendruck ablesen. Sobald du den Reifendruck gemäss Bedienungsanleitung eingestellt hast, bist du mit dem Radwechsel fertig.
Tipp: Prüfe nach etwa 50–100 km Fahrt sowohl den Luftdruck im Reifen als auch den Sitz der Radmuttern und/oder -schrauben erneut. Korrigiere bei Bedarf den Luftdruck und ziehe ggf. die Radmuttern nach.
Eine Auswahl aus unserem Reifenwechsel-Sortiment
Gesamtes Reifenwechsel-Sortiment ansehenTipps nach der Demontage: Räder richtig reinigen und lagern
Du bist mit dem Pneu wechseln fertig? Jetzt gilt es, die alten Winter- oder Sommerreifen bis zu ihrem nächsten Einsatz einzulagern. Nach der Demontage der Reifen ist der optimale Zeitpunkt, um den Zustand der Reifen genau zu prüfen und sie vor der Einlagerung gründlich zu reinigen. Hier findest du die wichtigsten Punkte, auf die du nach dem Wechsel achten solltest und nützliche Informationen dazu, wie du deine Reifen bestmöglich bis zum nächsten Wechsel lagerst:
- Profiltiefe: Ab einer Profiltiefe von 4 mm (Winter- und Ganzjahresreifen) bzw. 3 mm (Sommerreifen) und weniger solltest du die Reifen auswechseln. Gesetzlich vorgeschrieben ist in der Schweiz eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Bei einer so niedrigen Profiltiefe sind jedoch einige sicherheitsrelevante Eigenschaften des Reifen deutlich verringert. Tipp: Mithilfe eines 2-Franken-Stücks kannst du die Profiltiefe auf die Schnelle überprüfen. Stecke die Münze dafür ins Reifenprofil. Kannst du den Sockel der Helvetia noch nicht erkennen, hat der Reifen noch ausreichend Profil für die nächste Saison.
- Reinigung: Für die Reifenreinigung genügen ein mildes Spülmittel, Wasser und eine Bürste. Schmutz an den Felgen kannst du mit einem selbsttätigen, säurefreien Felgenreiniger mit Wirkindikator besonders einfach entfernen. Prüfe die Räder bei der Reinigung auch auf Beschädigungen und Fremdkörper im Gummi.
- Pflege: Reifenpflegemittel schützen das Reifengummi und halten es geschmeidig. So kannst du Bruchstellen im Gummi ohne viel Aufwand entgegenwirken. Am besten behandelst du die trockenen Räder nach der Reinigung mit einem geeigneten Reifenpfleger.
- Lagerung: Lagere die Räder im Idealfall waagrecht als 4er-Stapel oder hängend in einem speziellen Regal bzw. Halterung. Wähle einen kühlen, dunklen und trockenen Ort (z. B. Garage oder Keller). Dort sind sie bis zum nächsten Einsatz vor Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Witterung geschützt. Eine Reifentasche bietet zusätzlichen Schutz vor Schmutz.
Vier gute Gründe für den Reifenwechsel
In der Schweiz schreibt der Gesetzgeber im Gegensatz zu anderen Ländern in Europa die Nutzung von Winterreifen nicht explizit vor. Dennoch verpflichtet das Strassenverkehrsgesetz jeden Fahrer dazu, mit seinem Fahrzeug den Strassenverkehr weder zu gefährden noch zu behindern. Fährst du auf Reifen, die den saisonalen Wetterbedingungen nicht gewachsen sind, tritt dieser Fall meist schneller ein als gedacht. Neben der gesetzlichen Lage sprechen allerdings noch weitere gute Gründe für einen saisonalen Radwechsel:
1. Fahrverhalten
Bei Trockenheit und sommerlichen Temperaturen zeigen Winterreifen in langen Kurven und bei ruckartigen Lenkbewegungen eine deutlich schlechtere Strassenlage als Sommerreifen. Steigen die Temperaturen, verringert sich die Strassenhaftung der Winterreifen und ihre Fahrstabilität. Sommerreifen haben hingegen wiederum bei Schnee und Eis wesentlich weniger Bodenhaftung und ein schlechteres Fahrverhalten als Winterreifen.
2. Bremswege
Im Winter verkürzt sich der Bremsweg auf nasser Fahrbahn mit Winterreifen erheblich. Im Sommer hast du auf Winterreifen jedoch einen längeren Bremsweg als mit Sommerreifen, vor allem bei höherer Profiltiefe und Temperatur. Umgekehrt sind Sommerreifen auf hohe Temperaturen und eine trockene Fahrbahn besser ausgelegt und haben im Winter den längeren Bremsweg.
3. Materialverschleiss
Winterreifen haben bei sommerlichen Temperaturen einen deutlich höheren Materialverschleiss. Die weiche Gummimischung, die für bessere Haftung auf nassen, rutschigen Untergründen sorgt, nutzt sich bei hohen Temperaturen schnell ab. Das hätte zur Folge, dass du die Reifen häufiger ersetzen müsstest.
4. Versicherung
Hast du aufgrund einer mangelhaften Bereifung deines Fahrzeugs ein Unfall verursacht oder behinderst dadurch den Verkehr, kannst du für die entstandenen Schäden in Verantwortung gezogen werden. Ausserdem erhältst du neben einem einmonatigen Entzug deines Führerausweises eine zusätzliche Strafe. Das Strafmass variiert abhängig vom Schweregrad von einer Bussgeldzahlung bis hin zu einem Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren. In solchen Fällen kürzen Versicherungen in der Regel auch ihre Leistungen oder fordern sie sogar vollständig zurück.
Der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel
Als Faustregel gilt von O bis O: von Oktober bis Ostern bist du am besten auf Winterreifen unterwegs. Von Ostern bis Oktober hingegen sollten lieber deine Sommerreifen zum Einsatz kommen. Eine wesentlich zuverlässigere Orientierung bieten dir jedoch die Temperaturen. Sobald diese dauerhaft unter 7 °C fallen, ist es an der Zeit, die Winterreifen aus ihrem Sommerlager zu holen.
Tipp: Lässt du die Räder von einer Fachkraft in der Garage wechseln, solltest du daran denken, rechtzeitig einen Termin zu vereinbaren. Insbesondere wenn sich ein mehr oder weniger « plötzlicher » Wintereinbruch androht, betragen die Wartezeiten für einen professionellen Reifenwechsel schnell mehrere Wochen.
Ganzjahresreifen als Kompromiss?
Ganzjahresreifen kombinieren die jeweiligen Vorteile von Sommer- und Winterreifen in einem Reifentyp. So sollen Autofahrende mit den Reifen sicher bei jeder Wetterlage unterwegs sein. Ein guter Ganzjahresreifen hält im Optimalfall sowohl winterlichen Temperaturen mit Schnee und Eis als auch hohen Temperaturen und Trockenheit im Sommer stand. Ein Leistungsversprechen, das hohe Anforderungen an die Allwetterreifen stellt.
Vor allem die Weiterentwicklungen der Ganzjahresreifen über die letzten Jahre hinweg zeigen deutliche Fortschritte. Jedoch weisen die Allrounder im jeweiligen Vergleich mit den spezifischen Sommer- und Winterreifen dennoch Schwächen auf: Allwetterreifen, die bei sommerlichen Verhältnissen überzeugen, schneiden bei winterlichen Bedingungen deutlich schwächer ab und umgekehrt. Dies zeigt sich zumeist in ihrer Bremsleistung und ihrem Fahrverhalten. So können Ganzjahresreifen für Autofahrende mit recht stabilen Wetterbedingungen über das Jahr hinweg ein guter Kompromiss sein.
Wenn du das Auto allerdings häufig auf langen Strecken und/oder in unterschiedlichen Wetterbedingungen nutzt, wie zum Beispiel für Winterauszeiten im Schnee oder Sommerferien im Süden, sind hingegen saisonspezifische Winter- und Sommerreifen für dich wahrscheinlich die bessere Alternative.