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Zum Einkauf, auf dem Wochenendausflug, auf der Autobahn – wer mit Baby, Kleinkind oder Schulkind im Auto unterwegs ist, will sicher ankommen. Doch die kleinen Mitfahrer stellen jede junge Familie vor viele weitere Fragen rund um den Kindersitz. JUMBO bringt vor dem Kauf eines Kindersitzes Licht ins Dunkel von Modellen, Typen und Normen. Dabei sollte auch der Komfort nicht auf der Strecke bleiben.

2. Oktober 2020 | Nils Tiedemann


Die Autos werden immer grösser, der Verkehr sicherer, die Unfallzahlen kleiner – aber noch immer kosten Verkehrsunfälle in der Schweiz jährlich rund 200 Menschen das Leben, darunter auch Kindern bis 14 Jahre, die im Auto mitfahren. Um dieses Risiko möglichst zu umfahren, kommt es unter anderem auf den Kindersitz an. Kinder müssen rechtlich gesehen bis zum Alter von 12 Jahren oder einer Grösse von 150 cm in einem Kindersitz im Auto gesichert sein.


Zunächst geben Art und Häufigkeit der Nutzung sowie der Autotyp die Richtung durch die Regalwelt vor. Wer nur gelegentlich mit einem Kleinwagen fährt, hat andere Voraussetzungen als ein Vielfahrer im SUV und braucht einen anderen Sitz. Doch letztlich schützt der richtige Kindersitz im Fall der Fälle bei jeder Fahrt das Leben Ihres Kindes.

Die wichtigste Regel

Der höchste Preis bedeutet bei einem Kindersitz nicht automatisch höchste Sicherheit. Und auch Sicherheit ist nicht alles. JUMBO zeigt auf, worauf Einsteiger ins Thema achten sollten und dass der Preis eines sicheren Kindersitzes durchaus das Budget schonen kann.

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Welche Norm müssen Sie einhalten?

Babyschale, Kindersitz, Sitzerhöher – in dieser Reihenfolge wächst das Autositzmöbel Ihres Kindes prinzipiell im Laufe der Jahre mit. Eine Babyschale brauchen Sie ab Geburt bis zum Alter von mindestens 15 Monaten und bis zu einer Grösse von maximal 105 cm. So sieht es die europäische i-Size-Norm (UN-R129) vor, die Kindersitze nach der Körpergrösse klassifiziert. Achten Sie einfach auf die Angaben in der Produktbeschreibung.


Apropos Normen: Es gibt eine weitere Norm, die ECE-R44-Norm. Sie klassifiziert nach Körpergewicht. Für Babyschalen heisst das im Klartext: Die Gruppe 0+ eignet sich für Babys ab Geburt bis 13 kg. Bei den Normen, die Sie immer an einer orangefarbenen Kennzeichnung unten oder seitlich am Kindersitz finden, müssen Sie auf eine gültige Kennzeichnung achten: Entweder ECE R44/03, ECE R44/04 (aktueller Standard) oder i-Size bzw. UN R129 – alles andere ist nicht erlaubt.

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Mitwachsendes Modell oder Normgruppe?

Wenn der erste «richtige» Kindersitz fällig wird, stehen Sie vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Sie haben die Wahl zwischen einem mitwachsenden Kindersitz und einem möglichst gut an den aktuellen Entwicklungsstand Ihres Kindes angepassten Modell. Auch dazu gibt es Gruppen der jeweiligen Norm, entweder nach Gewicht oder Grösse.


Aber wer will schon in eine Norm gepresst werden? Das Wichtigste ist stets die Sicherheit und die ist abhängig vom individuellen Sicherheitsbedürfnis und dem körperlichen Entwicklungsstand Ihres Kindes. Zwischengrössen der ECE-R44-Gruppen 1 (9 – 18 kg) bzw. i-Size-Phase 1 (bis 105 cm) können Sie zwar weniger lang nutzen, sie sind jedoch dem Körper Ihres Kindes in diesem Alter bis etwa 4 Jahre besser angepasst. Danach wechseln Sie in die jeweils höhere Gruppe (i-Size-Phase 2 bzw. Normgruppe 2 oder 3).


Sogenannte «mitwachsende» Kindersitze decken grosse Altersbereiche ab. Es gibt sogar Modelle, die ab Geburt bis zum 12. Lebensjahr nutzbar sind. Doch Vorsicht, Sie haben zwar nur eine Anschaffung, dies aber meist auf Kosten der Sicherheit. Ihr Kind sitzt dann gerade in den besonders sensiblen Kleinkindjahren nicht optimal, Sie müssen also auch Abstriche im Komfort machen. Aus diesem Grund gibt es meist Kindersitze der Gruppen «15 – 36kg Körpergewicht» oder «3 bis 12 Jahre». Letztere bieten lange Freude und Sicherheit für Gross und Klein.

Faustregel für das Kindersitz-Upgrade: Wenn der Kopf Ihres Babys oder Kindes über die Babyschale oder den Kindersitz hinausragt, wird es Zeit für die nächste Grösse.

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Was bringt ein Seitenaufprallschutz?

Auch gegen Seitenaufpralle, die rund jeden vierten Unfall ausmachen, können Sie sich schützen. Dieser spezielle Seitenaufprallschutz sieht aus wie Ohren am Kindersitz und ist aus steifem Material. Er wirkt bei einem Unfall prinzipiell wie ein Airbag. Der im Fahrzeug verbaute Airbag ist nämlich für die Körper von Erwachsenen, nicht von Kindern konzipiert. Mit diesem Feature übertreffen Sie ganz nebenbei die Standards der ECE-R44/04-Norm. Denn erst die neuere ECE-R129-Norm («i-Size») berücksichtigt die gefährlichen Seitenaufprälle.

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Montage: Nur fix mit ISOFIX?

Eine gängige Vokabel unter erfahrenen Eltern, gut zu wissen für frisch gewordene: ISOFIX. Sie bezeichnet eine standardisierte Technik zum Einbau von Kindersitzen im Auto. In den meisten neueren Automodellen verbergen sich im Spalt zwischen Sitzfläche und Rückenlehne der Rücksitze am Fahrzeug befestigte Bügel.


Mit der ISOFIX-Zange unten am Kindersitz können Sie so eine besonders starre Verbindung zwischen Sitz und Auto herstellen. Ihr Kindersitz ist dann quasi fest mit dem Auto verbunden und im Fall einer starken Bremsung oder einer Kollision verzögert der Kindersitz sofort und damit etwas schneller als die alternative Befestigung per Sitzgurt. ISOFIX bietet also Vorteile beim Handling und bei der Sicherheit, die Gurtbefestigung ist aber nahezu genauso sicher.


Babyschalen befestigen Sie übrigens immer entgegen der Fahrtrichtung. Grund ist die nur schwach ausgeprägte Nackenmuskulatur bei Babys. Damit sie bei starkem Bremsen möglichst sicher in den Sitz gedrückt werden, müssen sie rückwärtsgewandt platziert sein. Bis zum Alter von 15 Monaten ist dies sogar Pflicht, bis zu einer Grösse von 105 cm wird die Rückwärtsfahrt empfohlen.

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Reicht nicht auch ein Sitzerhöher?

Ab einem Körpergewicht von 15 kg genügt rechtlich gesehen bereits ein Sitzerhöher. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht und vor allem im mobilen Einsatz besonders praktisch. Was viele dabei nicht bedenken: Sitzerhöher bieten keinerlei Schutz bei einem Seitenaufprall. Sitzerhöher gibt es als praktisches «Hartkissen» oder mit Rückenlehne für mehr Komfort und erhöhte Sicherheit.

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Welcher Kindersitz ist besonders handlich?

Die Wahl eines Kindersitzes schwankt immer zwischen Sicherheit und Komfort im Alltag. Wer häufig seinen Kindersitz umbaut, weiss schnell ein gutes Handling und geringes Gewicht zu schätzen. Achten Sie also auf die Gewichtsangabe beim Kindersitz. Im mobilen Alltag zählt jedes Gramm. Es gibt auch faltbare Modelle mit abnehmbarem Seitenaufprallschutz, die auf Reisen oder bei nur gelegentlichen Einsätzen praktisch und sicher sind.

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Was brauche ich noch?

Rund um den Kindersitz im Auto gibt es nützliches Zubehör wie Sitzschoner, Gurtpolster, Spielzeugtaschen oder Reisekissen. Selbst Wärmer für Babyfläschchen für den 12-V-Anschluss im Auto sind erhältlich. Auch in dieser Hinsicht werden Ihre Autofahrten mit Sicherheit zum Vergnügen für alle.

Tipp: Wer zur Vergesslichkeit neigt, kann sich mit einem App-gesteuerten Sicherheitsclip am Gurt des Kindersitzes an sein Kind und dessen Bedürfnisse im Auto erinnern lassen. Nach einer bestimmten Zeit eine kindgerechte Pause einlegen, im Sommer bei Hitze einkaufen und das Kind nicht zu lange im Auto lassen oder einfach gedankenverloren in die Raststätte essen gehen – nur einige Szenarien, in denen man seine Aufmerksamkeit nicht voll dem Kind widmet. Insbesondere Eltern von kleinen Babys wissen, was Schlafmangel alles mit einem anstellen kann.

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