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Mit Kettensägen fällt man Bäume. Aber nicht nur. Der Aargauer Kettensägekünstler Lukas Senn schafft mit diesem groben Gerät filigrane Figuren. Ein Besuch in seinem Atelier in Safenwil.


28. September 2018 | Luk von Bergen



Ziemlich viel Holz, noch mehr Späne, allerhand Werkzeuge und überall Skulpturen: Wer einen Fuss in die Werkstatt von Lukas Senn im aargauischen Safenwil setzt, wird augenblicklich hineingezogen in die faszinierende Welt der Kettensägekunst. Hier ein kleiner Elefant, dort ein lebensgrosser Adler oder die beiden Pumas auf einem drei Meter hohen Baumstamm. Wow! «Ich arbeite gerade an einigen kleinen Bären», sagt der 28-jährige Mann mit dem auffälligen Bocksbärtchen, «ein sehr beliebtes Sujet.» Eine halbe Stunde braucht er mit der Kettensäge für den bärigen Rohschnitt. «Ein grosser Teil der Arbeit dreht sich ums Studium von Fotos und Videos. Ich will ganz genau wissen, wie sich ein Tier in freier Wildbahn bewegt und welche Eigenheiten es hat.» Ausmessen der Proportionen, Skizzen erstellen, manchmal gar ein kleines Modell aus Plastilin. Dann folgt der Schnitt. «Die ganze Vorbereitung ist pures Handwerk, sobald die Kettensäge ins Spiel kommt, geht es um ganz viel Bauchgefühl.»

Einige Arbeiten von Lukas Senn (Bilder: zVg).

Auftragsarbeiten und Showschnitzen

Als Sohn eines Försters kam Lukas Senn früh mit Holz in Kontakt. Kurz nach der Lehre zum Eidgenössisch diplomierten Möbelschreiner machte er sich im Alter von 21 Jahren als Schreiner und Kettensägekünstler selbständig.


«Für mich ist auch die Geschichte hinter den Aufträgen spannend. Wer kriegt die Skulptur, wo kommt sie hin, wie sieht es dort aus?» Senn’s Skulpturen stehen in Gärten namhafter Politiker, auf Firmengeländen, in Hotels, im In- und im Ausland. Die Preise bewegen sich je nach Grösse zwischen einigen hundert und weit über zehntausend Franken. Lukas Senn schnitzt auch vor Publikum oder an Wettkämpfen und ist amtierender Vize-Schweizermeister im sogenannten Speed Carving: «Da hast du manchmal eine halbe, manchmal eine ganze Stunde Zeit, um eine Skulptur zu erstellen – da muss jeder Schnitt sitzen, Kopf und Körper müssen perfekt harmonieren.»

Sicherheit, Übung und ein «gewisses Kribbeln»

Das Wichtigste beim Kettensägen – sei es privat oder beruflich – ist die Sicherheit. «Bei grösseren Sägen hast du quasi einen Kampfjet in den Händen, ein 7-PS-Gerät, vor dem du niemals den Respekt verlieren darfst», sagt Lukas Senn. «Routine ist das eine, volle Konzentration ist noch wichtiger.» Egal für welche Kettensägen-Jobs: Wer als blutiger Anfänger nicht zum blutenden Anfänger werden will, sollte unbedingt einen Kurs machen, rät der Profi (siehe Box). Technik, Materialkenntnis und der Umgang mit Kettensägen wollen gelernt sein. «Kettensägen ist sehr anstrengend, es braucht Ausdauer, die nötige Muskulatur und natürlich ein gewisses Kribbeln im Bauch.» Der Weg vom Klotz zur Kunst ist also lang und erfordert viel Fleiss und Schweiss. Mit ein bisschen Übung mache man bald Fortschritte, sagt Lukas Senn, «aber wenn du gleich eine Ballerina im Tutu schnitzen willst – vergiss es.»

Umgang mit Kettensägen: Sicherheit an oberster Stelle

Die Nutzung einer Kettensäge ist nicht ohne Risiko, selbst Profis sind nicht vor Arbeitsunfällen gefeit. Vom Kopfschutz mit Helm, Gehör- und Sichtschutz über Handschuhe, Schnitzschutzhose bis zu festen Schuhen: An die Kettensäge soll nur, wer sich optimal schützt. Entscheidend ist letztlich die Handhabung der Kettensäge. Hierfür gibt es Kurse, unter anderem von Codoc, der Fachstelle des Bundes für die Aus- und Weiterbildung in der Waldwirtschaft.


Die wichtigsten Tipps im Überblick.



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